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WE ARE TALKING TO: der
Hausfrauen- und Hausmännergewerkschaft
By: Flavia Sutter, Photo: Flavia
Sutter
Hausfrauen der Schweiz – vereinigt euch!
Das Ansehen der Hausfrauen verbessern ist das erklärte Ziel der
Hausfrauen- und Hausmännergewerkschaft. Eine Handvoll kämpferischer
Dübendorferinnen und ein Dübendorfer hatte den Verein im vergangenen
November gegründet. Zwei davon sind Tanja Boesch und Susi Jenny.
Im Interview mit Flavia Sutter legen sie ihre Meinung zur ausserfamiliären
Betreuung dar und berichten über Sinn und Zweck ihrer Gewerkschaft.
Info-Bulletin: Wie kam es zur Gründung der Hausfrauen- und Hausmännergewerkschaft?
Susi Jenny: Vor etwa zwölf Jahren, als ich noch als Kinderkrankenschwester
arbeitete, besuchte ich einen Vortrag zum Thema Gesundheitsentwicklung
im letzten Jahrhundert. Da hiess es, dass eine gute Gesundheit des Menschen
nicht mit Spitzenmedizin oder Impfen erreicht wird, sondern mit Hygiene,
guter Ernährung und einem positiven sozialen Umfeld. Mir wurde bewusst,
dass wir Krankenschwestern und Hausfrauen zuständig sind für
diese Bereiche und wir trotzdem keine Macht haben in der Gesellschaft.
Auf dieses Ungleichgewicht angesprochen, meinte der Referent, dass wir
selber in der Hand hätten, wie es weitergeht. Dieser Gedanke hat
mich über all die Jahre nicht mehr losgelassen. Wir Hausfrauen sind
verantwortlich für die Gesundheit der Gesellschaft und haben trotzdem
keine Stimme. Das darf nicht sein!
Bei Tanja Boesch und anderen Bekannten aus Dübendorf stiess meine
Idee von einer Hausfrauengewerkschaft auf offene Ohren. Susanne Hänni,
die jetzige Präsidentin, gab den Anstoss zur Gründung der Gewerkschaft,
nachdem in Bern im vergangenen Frühling der Schweizerische Berufsverband
der FamilienmanagerInnen gegründet worden war.
Warum eine Gewerkschaft?
Tanja Boesch: Eine Gewerkschaft strebt eine Verbesserung der Arbeitsverhältnisse
an. Unsere Arbeitgeberin ist die Gesellschaft und wir sind so etwas wie
eine Lobby für den Berufstand der Hausfrauen.
Mit Absicht nennen wir uns nicht Familienverband, weil da niemand hinhört,
der Titel Gewerkschaft zieht mehr.
Wieso habt ihr keine Partei gegründet?
Susi Jenny: Weil wir als Gewerkschaft politisch neutral sind, das heisst,
bei uns machen Leute aus allen politischen Lagern mit, die sich für
das Thema Familie einsetzen wollen. Die einen vom Vorstand sind engagiert
in politischen Parteien, die anderen nicht.
Wie viele Mitglieder habt ihr bis jetzt?
Susi Jenny: Ueber 40. Sie kommen aus der ganzen Schweiz; aus Schaffhausen,
St. Gallen, aus der Innerschweiz, von Basel, und so weiter.
Was ist das Ziel der Hausfrauengewerkschaft?
Susi Jenny: Das primäre Ziel ist sicher, das Ansehen der Hausarbeit
zu fördern. Aufzuzeigen, dass auch wir zu einer gut funktionierenden
Wirtschaft beitragen, indem wir für das Innenleben der Gesellschaft
sorgen.
Tanja Boesch: Wichtig ist uns, dass vor allem bei den Frauen ein Umdenken
stattfindet. Ein Beispiel: Eine Frau hat zehn Jahre lang für ihre
Familie gesorgt und bewirbt sich dann für eine Stelle. Als sie gefragt
wird, was sie in den letzten zehn Jahren gemacht habe, sagt sie: „Nichts.“ Das
hat mit dem Selbstbewusstsein zu tun. Sie soll hinstehen und sagen: „Ich
war zehn Jahre lang Mutter und Hausfrau.“ Und es soll für
alle klar sein, was für ein verantwortungsvoller Job das ist.
Wie kann man dieses Denken verbessern?
Tanja Boesch: Indem es jetzt eine Gewerkschaft gibt, und wir hinstehen
und sagen: „He, wir sind jemand.“
Eine Aufgabe für die Gewerkschaft ist auch, dass wir die Arbeitgeber
auffordern, Teilzeitarbeit für Männer zu ermöglichen.
Ich finde es schlimm, wenn Männer, die Teilzeit arbeiten, von den
Arbeitskollegen verspottet werden, sie seien keine richtigen Männer.
Wenn ein Mann 60 Prozent arbeiten will, um sich um seine Familie kümmern
zu können, dann soll das ermöglicht und akzeptiert werden.
Alle beklagen sich, dass wir eine vaterlose Gesellschaft haben, aber
niemand tut etwas dagegen.
Was wollt ihr tun dagegen?
Susi Jenny: In Deutschland gibt es ein Label für familienfreundliche
Firmen. Das wäre eine Möglichkeit. Aber dafür brauchen
wir mehr Mitglieder, so ein grosses Projekt braucht viel Geld. Deshalb
ist unser allererstes Ziel, genügend Mitglieder zu haben.
Tanja Boesch: Wichtig sind uns auch kindergerechte Lebensräume.
In städtischen Gebieten gibt es oft nur sterile Spielplätze,
wenn überhaupt. Man muss Oasen schaffen für Kinder, wo sie
Erfahrungen in der Natur sammeln können.
Wie könnt ihr euch vorstellen, diese Forderungen umzusetzen?
Tanja Boesch: Wir haben hier in Dübendorf schon Erfahrungen gesammelt
in Sachen Spielplätze. Einige aus dem Vorstand der Gewerkschaft
waren am Aufbau eines Robinsonspielplatzes beteiligt. Diese Erfahrungen
können wir weitergeben und Unterstützung und Hand bieten dazu.
Was beschäftigt euch zurzeit?
Tanja Boesch: Wir stellen gerade das Werbematerial zusammen, um mehr
Mitglieder zu werben. Ein anderes Thema ist die Weiterbildung: Unsere
Idee ist, in einem Modulsystem Weiterbildung anzubieten. Zum Beispiel
zum Thema Zeitmanagement. Wie kann ich mir meine Zeit einteilen, dass
ich neben Kindern und Haushalt nicht zu kurz komme. Die Idee dahinter
ist, dass man sich wie in jedem anderen Beruf Wissen und Können
aneignen kann und zwar in einer organisierten Form. Dadurch soll das
erlernte Wissen später besser verwertbar sein.
Im Tages-Anzeiger haben wir ein Inserat geschaltet, sozusagen ein offener
Brief an die Kantonsräte, in dem wir ihnen unsere Anliegen in Sachen
Blockzeiten und Klassengrössen ans Herz legen.
Worum geht es bei den Blockzeiten?
Tanja Boesch: Hier in Dübendorf haben wir Dreistunden-Blockzeiten,
und jetzt sollen vierstündige eingeführt werden. Das würde
aber sehr viel mehr kosten. Wir sind dafür, lieber die Handarbeit
zu belassen und die Klassen nicht zu vergrössern. Diese Massnahmen
reduzieren die Qualität der Schule nämlich enorm.
Susi Jenny: Diejenigen, die angewiesen sind auf vier Stunden am Morgen,
haben diese Möglichkeit mit dem Mittagstisch.
In eurer Broschüre steht, dass „Nicht oder nur teilweise erwerbstätige
Eltern ihren Kindern mehr geben können als voll berufstätige,
deren Kinder fremdbetreut werden“. Seid ihr gegen Krippen und Horte?
Susi Jenny: Nein, sind wir nicht. Wir sind nicht gegen ausserfamiliäre
Betreuung, aber wir als Hausfrauen betreuen unsere Kinder zu Hause weil
wir es gut finden so. Die Hortnerinnen sagen auch nicht zu den Eltern,
sie sollen ihre Kinder besser zu Hause betreuen. Sie sind ja auch überzeugt
davon, dass sie mit ihrer Ausbildung und ihrem Können die Kinder
optimal betreuen können.
Jede Familie muss für sich entschieden, wie sie es machen will mit
der Betreuung. Für mich ist wichtig, dass die Qualität stimmt,
das heisst erstens Konstanz der Betreuungspersonen, und zweitens ein
grosses Wissen über Erziehung, Ernährung, Entwicklung und Sozialisierung.
Und als Grundlage natürlich die Freude und das Interesse am Kind.
Tanja Boesch: Ich finde, es braucht die ausserfamiliäre Betreuung
ganz klar für die allein Erziehenden und für diejenigen, bei
denen ein Lohn nicht reicht. Und auch wenn eine Frau wirklich arbeiten
gehen will. Ein Grund für ausserfamiliäre Betreuung kann auch
sein, wenn keine anderen Kinder da sind zum Spielen.
Die Betreuung in Krippen und Horten hat aber schon Nachteile. So ist
der Personalwechsel sicher nicht von Vorteil für das Kind.
Schlussendlich kommt es aber auf die Qualität des Hortes an und
genauso ist es auch bei den Familien. Es gibt viele schwierige Familienverhältnisse,
wo es manchmal besser wäre, ein Kind besuchte den Hort.
Ich finde es schade und kontraproduktiv, wenn man die beiden Betreuungsarten
gegeneinander ausspielt.
Susi Jenny: Wir müssen uns gegenseitig stützen und uns die
Qualität zum Ziel setzen.
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